Gutes Wetter – schlechtes Wetter? Mein Tuch verstehen:
Auf dem Halstuch sind zwei meteorologische Wetterkarten abgebildet, die völlig unterschiedliche Wetterlagen darstellen. Auf der orange-farbenen Karte ist eine typische sommerliche „Schönwetterlage“ zu sehen, die in blau dargestellte Wetterlage bringt Sturm.
Beide Karten zeigen die 500 hPa Druckfläche, welche bei ca. 5 km Höhe zu finden ist. Die Linien dort stellen Isohypsen dar. Das sind Linien gleicher geopotentieller Höhe. Das ist eine Einheit, mit der in der Meteorologie die Höhe bestimmt wird, in der ein gewisser Druck herrscht, in diesem Fall 500 hPa. Diese Karten werden in der Wettervorhersage sehr häufig verwendet, besonders um sich einen klaren Eindruck über die Wetterlage zu verschaffen. Auf 500 hPa, also in ca. 5 km Höhe, kann man gut davon ausgehen, dass die gesamte Strömung ungefähr entlang der Isohypsen verläuft und damit die Windrichtung angezeigt wird.
Meteorologie kann man übrigens auch studieren. Wenn dich das interessiert, schau dich hier einmal um. Dort kannst du auch erfahren, wie vielseitig die Meteorologie ist und was man später als Meteorolog*in alles machen kann.
Omega-Hoch – die europaweite Hitzewelle 2015

Die Wetterkarte vom 3. Juli 2015 zeigt eine typische Wetterlage, welche im Sommer zu Hitzewellen führen kann. Dabei wird die im Mittel aus Westen strömende Luft durch ein großes, langlebiges und stationäres Hochdruckgebiet blockiert. Dieses Hochdruckgebiet zwingt die Strömung zu einem großen Umweg, erst nach Norden, dann über den Rücken des Hochdruckgebietes hinweg nach Osten, und wieder nach Süden. Dieses charakteristische Muster nennt man in der Meteorologie „Omegablockierung“, weil es dem griechischen Buchstaben Ω ähnelt. Das Entscheidende daran: Diese Konstellation kann tagelang anhalten, ohne sich aufzulösen.
Das Ergebnis war die Hitzewelle, die am 04. Juli 2015 ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte und in vielen Teilen Europas für extreme Temperaturen sorgte. Bei viel Sonnenschein und nur vereinzelten Wolken kletterten die Temperaturen auf 33 bis 39°C, in einigen Regionen im Westen und Südwesten sogar auf bis zu 40°C. In Berlin wurden 37°C gemessen. Erst am Abend entstanden im Westen einzelne kräftige Gewitter, was typisch ist für Tage mit Extremhitze, da die aufgeheizte Luft nach oben ausweicht, damit für Instabilität sorgt, und bei ausreichender Feuchtigkeit Kondensation bzw. Wolkenbildung anregt.

In den folgenden Tagen (5. bis 7. Juli) breiteten sich die Gewitter langsam nach Süden und Osten aus. Im Norden und Nordwesten Europas kühlte es sich etwas ab, auf 26 bis 30°C, während es im Süden und Osten mit 31 bis 38°C weiterhin extrem heiß blieb. Erst danach löste sich die blockierende Wetterlage allmählich auf und durch die normalisierte Höhenströmung mit eingelagerten Tiefdruckgebieten, die kühlere Ozeanluft heranführten, wurde es spürbar kühler und wechselhafter.
Während der blockierenden Wetterlage sind auch die Windgeschwindigkeiten im Zentrum des blockierenden Hochs stark reduziert. Im Juli 2015 konnte dies z.B. an der Messstation Darßer Schwelle an der Ostsee beobachtet werden. Die mittlere Wellenhöhe lag in diesem Monat bei nur 0,68 m, der häufigst gemessene Wert sogar unter 0,5 m. Dies ist ein deutliches Zeichen dafür, wie ruhig die Ostsee während der stabilen Hochdrucklage war.
Quellen: bsh.de, Berliner Wetterkarte e.V., DWD
Sturmtief-Serie im Februar 2022

Im Kontrast zu der blockierenden Wetterlage ist ein anderes meteorologisches Extrem ein winterliches Sturmtief. Ein Beispiel dazu kann in der Wetterkarte vom 22. Februar 2022 gefunden werden. Ein besonders starker Höhenwind, der sogenannte Jetstream, fegte mit hohem Tempo von West nach Ost über Europa hinweg. Eingebettet in diesen Jetstream finden sich oft Tiefdruckgebiete, welche diese starken Höhenwinde auch zum Erdboden transportieren können.
Genau das war im Februar 2022 der Fall: Sogar eine ganze Serie von Sturmtiefs überquerte innerhalb weniger Tage Nord- und Mitteleuropa. Die Sturmserie startete mit Tief YLENIA am 17.02., dann übernahm Orkantief ZEYNEP am 18./19.02., welches den stärksten Sturmtag brachte, gefolgt von Tief ANTONIA am 20./21.02. und danach Tief BIBI. Der steile Druckunterschied zwischen den Hoch- und Tiefdruckgebieten sorgte dafür, dass in der Nordseeregion und über Teilen Mitteleuropas orkanartige Böen auftraten. Die Messstation Kiel-Leuchtturm meldete während ZEYNEP Windgeschwindigkeiten bis zu 140 km/h, am Leuchtturm Alte Weser sogar 162 km/h. Während BIBI wurden auf dem Brocken 145,1 km/h gemessen und auf dem Feldberg im Schwarzwald 149 km/h. Das Wetter am 23. Februar entsprach der Vorhersage und spiegelt wider, wie schnell die Tiefdruckgebiete weiterzogen: Im Osten und Süden klangen die Niederschläge vom vorangegangenen Sturm BIBI noch ab, in den Alpen fiel bis Mittag Regen oder Schnee. Im Westen dagegen schien bereits wieder die Sonne.

In den darauffolgenden Tagen (24. bis 27. Februar) brachte die nächste Tiefdruckwelle erneut Regen und im Bergland oberhalb von etwa 400 bis 600 Metern Schnee, dazu vereinzelt Gewitter mit Graupel. Die Temperaturen fielen in Deutschland auf 3 bis 8°C. Zum Wochenende hin beruhigte sich die Lage: Der Jetstream schwächte sich ab, ein Hochdruckgebiet setzte sich durch, und es wurde sonnig und trocken mit Temperaturen zwischen 2°C am Alpenrand und 10°C am Niederrhein.
Quellen: bsh.de, Berliner Wetterkarte e.V., DWD
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